AWA: American Wrestling Association
 Wally Karbos Streit mit der NWA Wie jede grosse Promotion in Nordamerika ist auch die American Wrestling Association aus der NWA entstanden, weil es ein Streit um den NWA World Heavyweight Titel gab. Alles fing an mit dem NWA World Heavyweight Titelmatch zwischen Edouard Carpentier und dem Champion Lou Thesz im Juni 1957. Carpentier besiegte Thesz in einem 2 out of 3 Falls Match, jedoch war einer der Falls eine Disqualifikation und somit wurde der Titelwechsel von der NWA nicht anerkannt. Einige Promoter waren damit jedoch nicht einverstanden, darunter auch Wally Karbo aus Nebraska. Wally Karbo war ein NWA Mitglied seit 1948 und Besitzer des Minneapolis Boxing und Wrestling Club, Inc. Wally Karbo liess Edouard Carpentier als NWA World Heavyweight Champion auftreten. Kurze Zeit später, im August 1958, übergab dieser den Titel an den damaligen NWA Junior Heavyweight Champion Verne Gagne. Eine Gruppe von Promotern, die auf Wally Karbos Seite standen, promoteten nun Verne Gagne als denn NWA World Heavyweight Champion (was inoffiziell war), während der Grossteil der NWA Promoter weiterhin Lou Thesz als rechtmässigen Champion hatten. Eine neue American Wrestling Association Es sollte dann zum Unification Match der beiden kommen um beide Titel zu vereinen und endlich wieder einen Champion zu haben, der von allen anerkannt wird. Doch die NWA lehnte dieses Match ab. Daraufhin gründete Verne Gagne die American Wrestling Association, Wally Karbo gab als Promoter sein NWA Membership auf und ging zur AWA. Es ist also nicht richtig, wie andere Quellen berichten, dass die AWA ihre Wurzeln bereits viel früher hatte. Die AWA wurde völlig neu gegründet, und zwar 1960. Es gab zwar vorher von 1924 bis 1951 eine American Wrestling Association die von Paul Bowser promotet wurde, die hatte aber mit der hier genannten AWA nichts zutun. Auch eine American Wrestling Association in Chicago der 50er Jahre, mit den Promotern Ray Fabiani und Leonard Schwartz, hat mit der AWA von Verne Gagne nichts zu tun. Die zwei World Heavyweight Champions Die AWA begann gleich mit einem, für die damalige Zeit, Riesenskandal. Die AWA erklärte nämlich, dass der NWA World Heavyweight Champion Pat O' Connor auch ihr Champion sei. Man würde ihm 90 Tage Zeit geben, den Titel gegen den Number One Contender der AWA, Verne Gagne, zu verteidigen, ansonsten würde man ihm den Titel wieder abnehmen. Die NWA lehnte das zynische Angebot natürlich ab und so wurde ihm der Title am 16. August 1960 aberkannt und Verne Gagne wurde damit zum offiziell ersten AWA World Heavyweight Champion der Geschichte. Die NWA ignorierte das ganze Geschehen einfach, doch damit wurde Wrestling Geschichte geschrieben. Denn zum ersten Mal seit 1949 gab es im Professional Wrestling zwei World Heavyweight Champions, denn den NWA und den AWA Champion. Die AWA promotete vorallem in Minnesota erfolgreich ihre Shows und bald bekam sie den Ruf, dass man in der AWA das beste Mat-Wrestling zusehen bekam, dass es zu jener Zeit gab. Die AWA entwickelte sich in den 60er Jahren langsam zuerst zur nationalen Promotion und dann zu der grössten Promotion ihrer Zeit. Man war nun mehr als eine solide Alternative zu der Traditionsbewussten NWA und der WWWF, die Wert auf mehr Show legte. Hulk Hogan zwischen den Fronten In den 70er Jahren gab es nur zwei NWA Champions, und zwar Verne Gagne (1968-1975) und Nick Bockwinkle (1975-1980). In diesen Jahren veränderte sich auch der Lauf der Zeit. Denn auch von der AWA trennten sich nach kleineren Streitereien einige Promoter. Vince McMahon war ab 1983 einer von ihnen, als er die Zusammenarbeit mit der AWA beendete. Grund war, weil die AWA etwas hatte, was er wollte: Hulk Hogan. Hulk Hogan war bereits ein Star in Nordamerika und auch Japan, bevor er zur WWF kam. In Japan tourte Hulk Hogan 1982 bei NJPW und wurde damals zum Star im Match gegen Antonio Inoki. Als Hogan zurück in die AWA kam erkannte Verne Gagne das Potential und turnte ihn Face. Bereits 1983 war Hogan in den USA so berühmt, dass Hollywood ihn für den Film Rocky III holte. Dies war eine Rolle, die Hogan noch weiter ins Zentrum rückte. Zu diesem Zeitpunkt war Hulkamania bereits geboren, bevor das Wort überhaupt existierte. Es fehlte nur noch ein Schritt: Hogan musste AWA World Heavyweight Champion werden, doch es kam anders. Nick Bockwinkle weigerte sich seinen Title an einen Mann abzugeben, der nicht wrestlen konnte. Verne Gagne dachte ähnlich und so sagte man Hogan, dass man ihn nicht zum Champion machen werde. Das Match zwischen Bockwinkle und Hogan fand am 24. April 1983 statt. Wie abgemacht gewann Nick Bockwinkle. Der Event, bei dem das Match stattfand, war "Super Sunday" und gilt als die erste wirkliche Grossveranstaltung im Professional Wrestling, noch vor NWA Starrcade und zwei Jahre vor WWF Wrestlemania. Hogan verliess jedenfalls kurz danach die AWA, die ihm nicht zum Champion machte, in Richtung WWF. Man kann Verne Gagne heute vorwerfen, dass er mit dem Schritt, Hulk Hogan nicht zum Champion zu machen, den Untergang der AWA eingeläutet und den Aufstieg der WWF durch Hulk Hogan erst ermöglicht hatte. Die kurze Zusammenarbeit mit NWA und der Streit mit der AJPW In den 80er Jahren führte Gagne die AWA weiterhin mit Veteranen wie zum Beispiel The Crusher, Nick Bockwinkle, Baron von Raschke oder Mad Dog Vachon und liess junge Talente wie Ken Patera, Scott Hall, Curt Hennig oder Rick Martel nachrücken. Ein Problem begleitete Verne Gagne jedoch ebenso, wie alle anderen Promoter: Sein Ego und den Drang seinen Sohn pushen zu müssen. Denn Verne Gagne pushte seinen Sohn Greg Gagne, der leider überhaupt kein Talent seines Vaters geerbt hatte. Doch es war einer der wenigen Fehler die Verne Gagne machte. Nachdem Hulk Hogan die AWA verliess und im Herbst 1983 zur WWF wechselte änderte sich schlagartig alles. Die WWF wurde innerhalb weniger Monate zur Nummer Eins Promotion und Hulk Hogan gewann als Babyface seine Matches in den kommenden Jahren clean im Ring. Die NWA steckte zu dieser Zeit durch Jim Crockett in einer Krise und versuchte gerade sich der Zeit anzupassen und die AWA versuchte das gleiche wie immer: gutes Wrestling. Doch der Wechsel von Hulk Hogan von der AWA zur WWF bedeutete nicht nur die Vorherrschaft und der Aufstieg der WWF, sondern der Promotionkrieg über 25 Jahre zwischen der AWA, der NWA und der WWF war entschieden, zugunsten von Vince McMahon, der die neue MTV-Generation ansprach. Die AWA und NWA waren auf Tradition gefestigt, während die WWF damals schon "cool" war. Verne Gagne versuchte sich deshalb wieder mit der NWA zusammen zu tun und Crockett stimmte zu. Es war das erste Working Agreement zweier grosser Promotions in Nordamerika seit über zehn Jahren. Dabei kam "Superclash" heraus: Eine Show, die über 21.000 Zuschauer drawte, für damalige Verhältnisse ziemlich gut. Doch das war es dann auch schon, was die Zusammenarbeit mit der NWA anbelangte. Gagne konzentrierte sich dann lieber auf AJPW und Giant Baba, eine Zusammenarbeit die Folgen haben sollte. Zuerst kaufte Otto Wanz sich den AWA World Heavyweight Titel für 50.000 US-Dollar, nur um ihn einmal zu halten. Dann kaufte Giant Baba seinem Zögling Jumbo Tsuruta den Titel 1984. Für AJPW und Jumbo Tsuruta war das eine Riesensache, für die AWA war das ein entscheidender Fehler in Richtung Untergang. Es folgte eine Kurzschlusshandlung von Verne Gagne um in den USA wieder Fuss zu fassen: Er gab den Titel Stan Hansen. Hansen, der mit Giant Babas AJPW zusammenarbeitete, weigerte sich denn Title in der AWA zu verlieren. Er wollte den Titel nur in Japan verlieren, was die AWA jedoch ablehnte. Kurz vor einer Titleverteidigung in Minnesota gegen Nick Bockwinkle gab es im Backstagebereich einen Streit zwischen Gagne und Hansen. Letzterer verliess mit dem Titel die Halle Richtung Japan und wurde in der AWA auch nicht mehr gesehen. Verne Gagne gab den Gürtel an Bockwinkle und erklärte dem Publikum, dass Hansen sich geweigert hätte gegen ihn anzutreten. Das Desaster nach dem ersten AWA Pay-Per-View "Superclash III" 1985 debütierte die AWA auf dem TV-Sender ESPN, was jedoch zu finanziellen Problemen führte. Von nun an musste man pro Woche eine TV-Show produzieren. Doch 1987 schien sich die AWA erholt zuhaben von dem Weggang Hulk Hogans und der WWF Expansion. Man hatte einen jungen Curt Hennig als hoffnungsvolles Talent aufgebaut, sowie die Midnight Rockers, Shawn Michaels und Marty Jannetty etabliert. Curt Hennig gewann kurz darauf den AWA World Heavyweight Titel und als Heel schien es so, dass Hennig einer der besten Champions der AWA Geschichte werden könnte. Doch dann kam der letzte Todesstoss von der AWA, das Scheckbuch von Vince McMahon. McMahon ging in der AWA auf Einkaufstour und er holte fast jeden AWA-Star, den Verne Gagne entwickelte, zu sich. Das Ganze ging soweit, dass Gagne die Titleruns seiner Promotion danach richten musste, wen Vince McMahon gerade nicht ins Auge gefasst hatte. Die Liste derjenigen, die sich Vince aus der AWA kaufte, ist sehr lang. Angefangen von Curt Hennig 1988 bis zu den Rockers Ende 1988 gefolgt von Ron Garvin, Rick Martel, Sherri Martell, Boris Zhukov, Baron Von Rashke, Bobby Heenan, Ken Patera, The Beverly Brothers, Sergeant Slaughter, Buddy Rose, The Minnesota Wrecking Crew II, Pat Tanaka, Paul Diamond, The Destruction Crew, Kokina Maximus und noch viele weitere. Im August 1988 sah sich Verne Gagne nur noch mit seinen loyalsten Angestellten versammelt. Mehr als 50% seines Rosters wurden innerhalb eines Jahres von der WWF aufgekauft. Ein letzter Versuch war von Verne Gagne die Zusammenarbeit mit der CWA von Jerry Lawler und der WCCW von Fritz Van Erich. Das endete, in dem ersten AWA PPV "Superclash III" und einem grossen Desaster. Lediglich 1000 Fans kamen um den Event zusehen. Die PPV Buyrate war damals auch enorm schlecht und Backstage gab es zwischen denn drei Promotern einen Streit um die Show. Lawler spielte die alten Freunde Gagne und Van Erich gegeneinander aus und profitierte am Ende als einziger. Die WCCW machte kurz darauf zu und die CWA mit Jerry Lawler hatte kein Interesse mehr an einer grossen Zusammenarbeit mit der AWA. Es ging sogar soweit, dass Lawler sich weigerte seinen AWA Titel in der AWA zu verteidigen. Die AWA vakantierte den Titel und als die WCCW schloss gründete Jerry Lawlert aus der CWA und der WCCW die USWA. Das Ende von American Wrestling Association 1990 war dann der letzte Akt gekommen. Jeder konnte es über zwei bis drei Jahre absehen, dass die AWA langsam aber dann immer schneller ihrem Untergang entgegen sah. Man hatte eine TV Show auf ESPN, jedoch keinen einzigen Star mehr in der Promotion. Verne Gagne übergab dann Eric Bischoff die Produktion der Show. Bischoff machte daraus "The Team Challenge Series". Konzept der Show war, dass drei Teams immer wieder gegeneinander antraten, und zwar in verschiedenen Gimmick Matches. Das Konzept floppte natürlich total, denn man sah über Wochen nur drei Tag Teams. Anfang 1991 war dann das ruhige Ende gekommen. Die AWA hatte weder einen einzigen Wrestler mehr unter Vertrag, noch einen TV Deal oder Geld. Verne Gagne gab im Januar 1991 das Ende der AWA bekannt, nach 31 Jahren ihrer Existenz. Die AWA ging, und die WCW kam. Verne Gagne wurde vorgeworfen, er hätte mit ESPN zu viel Geld gehabt um Pleite zugehen, ein Argument das man auch bei der WCW immer wieder hörte. Die American Wrestling Association von Verne Gagne wird als eine der einflussreichsten, und was das Wrestling angeht, eine der besten Promotions in die Geschichte des Professional Wrestlings eingehen. Nur wenige Promotions haben so viele Wrestling Talente hervor gebracht wie die AWA, seien es die Road Warriors, Rick Martel, Shawn Michaels, Marty Jannety, The Beverly Brothers, Curt Hennig oder Scott Hall, um nur einige zu nennen. Die AWA war über ein Jahrzehnt die führende Promotion in Nordamerika und lieferte sich über fast 3 Jahrzehnte einen Promotion War mit der NWA und der (W)WWF. Die heutige AWA All Stars (AWA Wrestling Entertainment, Inc), die Dale Gagner leitet, hat im übrigen ebenfalls nichts mit der AWA von Verne Gagne zu tun, die von 1960 bis 1991 existierte. Top Stars der AWA Geschichte: Verne Gagne, The Destroyer, The Crusher, Baron Von Raschke, Mad Dog Vachon, Scott Hall, Ken Patera, Fritz Van Erich, The Road Warriors, Larry Zbyszko, Nick Bockwinkle, Curt Hennig, Rick Martel
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